Die Terror-Management-Theorie (TMT) geht auf den Kulturanthropologen Ernest Becker und sein Werk „The Denial of Death" (1973) zurück. Sie postuliert: Die evolutionäre Entstehung des menschlichen Selbstbewusstseins kollidiert unweigerlich mit der Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit. Das Ergebnis ist eine fundamentale, oft unbewusste Todesangst.
Zur Abwehr dieses lähmenden Terrors konstruiert der Mensch kulturelle Weltbilder — Systeme aus Werten, Bedeutungen und Überzeugungen, die Sinn, Ordnung und persönlichen Wert vermitteln. Wörtliche Unsterblichkeitskonzepte (religiöse Jenseitsversprechen) und symbolische (Weiterleben im kollektiven Gedächtnis durch Kunst, Nachkommen, Nation) erfüllen dieselbe psychologische Funktion.
Im Kontext des Transhumanismus ist TMT analytisch produktiv: Mit fortschreitender Säkularisierung verlieren metaphysische Unsterblichkeitserzählungen ihre Schutzwirkung. Der Transhumanismus füllt dieses Vakuum — er verlagert die wörtliche Unsterblichkeit aus dem transzendenten Jenseits in das immanente Diesseits der technologischen Machbarkeit. Kryokonservierung avanciert zur säkularen Auferstehungstechnologie; Mind Uploading zur technologischen Replikation der unsterblichen Seele.