Longtermismus geht davon aus, dass die Zukunft der Menschheit astronomisch lang und potenziell astronomisch gut sein könnte — vorausgesetzt, wir vermeiden existenzielle Katastrophen. Da die Anzahl zukünftiger Menschen alle bisher Geborenen übersteigt, folgt für Longtermisten: Die Verbesserung langfristiger Zukunftsperspektiven hat moralisch das größte Gewicht.
Theoretisch verankert bei William MacAskill und Toby Ord (Effective Altruism), institutionell im Future of Humanity Institute (FHI, Oxford, 2005–2024) und im Future of Life Institute. Das FHI — mitfinanziert von Elon Musk und Open Philanthropy — entwickelte Konzepte wie KI-Alignment, existenzielle Risikoforschung und die „vulnerable Welt"-Hypothese. Es wurde im April 2024 von der Universität Oxford geschlossen, was Beobachter als Ende der akademischen Phase und Beginn eines dezentralen, privatwirtschaftlichen Ökosystems interpretierten.
Kritiker werfen dem Longtermismus vor, gegenwärtiges Leid zu entwerten, eine techno-elitäre Agenda zu verfolgen und durch seinen universalistischen Anspruch reale Machtasymmetrien zu verschleiern. Die enge Verbindung zu Silicon-Valley-Milliardären und KI-Unternehmen macht die politische Neutralität des Projekts fraglich.