Transhumanismus erscheint oft als Zukunftsvision, ist aber zuerst ein Menschenbild. Der Körper gilt ihm als unzureichende Hardware, das Bewusstsein als übertragbare Information und der Tod als ein lösbares Ingenieursproblem.
Darin liegt seine eigentliche Radikalität: Nicht einzelne Krankheiten sollen geheilt werden, sondern die conditio humana selbst soll überwunden werden. Verletzlichkeit, Alter, Abhängigkeit und Sterblichkeit erscheinen nicht mehr als Bedingungen menschlicher Existenz, sondern als peinliche Restbestände biologischer Vergangenheit.
Kritisch betrachtet ist Transhumanismus deshalb weniger Wissenschaft als säkulare Erlösungslehre. Er verspricht Rettung durch Technik, verschweigt aber, dass Sinn, Verantwortung und Bindung gerade aus Grenzen entstehen.