Weltbeziehung bezeichnet die Art und Weise, wie ein Mensch zur Welt steht: zu sich selbst, zum eigenen Körper, zu anderen Menschen, zur Natur, zu Dingen, Sprache, Arbeit, Technik, Geschichte und Zukunft. Sie beschreibt nicht nur, was jemand denkt, sondern wie Welt für ihn erscheint, was ihn erreicht, was ihn kalt lässt und worauf er antworten kann.
Eine Weltbeziehung kann offen, resonant, neugierig und lebendig sein. Sie kann aber auch verengt, instrumentell, ängstlich, zynisch oder betäubt werden. Dann erscheint Welt nicht mehr als etwas, dem man begegnet, sondern als etwas, das man kontrollieren, benutzen, bewerten oder abwehren muss.
Weltbeziehung ist deshalb mehr als Weltbild. Ein Weltbild ist eine Vorstellung über die Welt; Weltbeziehung ist die gelebte Verbindung zur Welt. Sie zeigt sich im Körper, in der Aufmerksamkeit, in der Sprache, im Handeln und in der Fähigkeit, berührt zu werden.
Im Kontext dieses Journals ist Weltbeziehung der übergeordnete Begriff für Bewusstsein, Resonanz, Betäubung, Rauschen und Beschleunigung. Denn all diese Begriffe beschreiben nicht nur innere Zustände, sondern Formen des Verhältnisses zwischen Mensch und Welt.
Eine gelingende Weltbeziehung bedeutet nicht Harmonie. Sie schließt Dissonanz, Schmerz, Widerspruch und Fremdheit ein. Entscheidend ist nicht, dass die Welt immer angenehm erscheint, sondern dass sie überhaupt noch sprechen kann — und dass der Mensch fähig bleibt, zu antworten.