Philosophischer Pessimismus nimmt Schmerz, Verlust und Enttäuschung ernst. Er weigert sich, menschliches Leiden mit Fortschrittsparolen oder moralischem Kitsch zu überdecken.
Doch seine Schärfe kann in eine Falle führen. Wenn alles Leiden als metaphysische Grundsignatur des Lebens erscheint, verschwinden konkrete Ursachen: Ausbeutung, Armut, Patriarchat, Krieg, Entwurzelung und politische Gewalt.
Eine brauchbare Kritik muss deshalb unterscheiden. Nicht jedes Leid ist abschaffbar, aber vieles ist gemacht. Wer diesen Unterschied verwischt, verwandelt historische Verhältnisse in Schicksal.